Qualitätssicherung

August 2022

Aktueller Stand des QS-Verfahrens

Das vom IQTIG entwickelte QS-Verfahren besteht aus 2 Teilen:
1. QS-Dokumentation der Psychotherapeutischen Praxis
2. Patientenbefragung

Für den 1. Teil, die QS-Dokumentation, wurde der Abschlussbericht des IQTIG im März 2022 veröffentlicht, inklusive der Stellungnahmen von 19 Institutionen (BPtK, BÄK, KBV, Fachgesellschaften, usw.) und 8 Mitgliedern des beratenden Expertengremiums, plus der Auseinandersetzung („Würdigung“) des IQTIG mit diesen Stellungnahmen.
Zusätzlich entwickelt das IQTIG noch Indikatoren zu Strukturqualität und Gruppentherapie, der Abschlussbericht wird für den 31.10.22 erwartet.

Der Abschlussbericht zum 2. Teil, der Patientenbefragung, ist noch nicht veröffentlicht.

Weitere Schritte bis zur Einführung

Das IQTIG wird mit einigen Praxen eine Machbarkeitsprüfung (Zeitaufwand, Praktikabilität, usw.) durchführen. (Eine Evaluation, wie von vielen Seiten gefordert, ist nicht vorgesehen.)
Der G-BA wird die Vorschläge des IQTIG beraten und ggf. noch Veränderungen/Ergänzungen vornehmen, je nachdem, wie die Mitglieder des G-BA ihre unterschiedlichen Interessen geltend machen (s. dazu die Stellungnahmen zum Abschlussbericht). Schließlich wird der G-BA eine Richtlinie zum QS-Verfahren beschließen.
Die Implementierung des QS-Verfahrens wird für 2025 erwartet.

Qualitätsindikatoren
Die QS-Verfahren der Externen Qualitätssicherung bestehen aus Qualitätsindikatoren, das sind „fest definierte Kriterien, anhand deren sich medizinische Qualität in einem Krankenhaus oder in einer Praxis messen, darstellen und vergleichen lässt“ (s. IQTIG Qualitätsindikatoren).
Für das QS-Verfahren Ambulante Psychotherapie hat das IQTIG insgesamt 15 Qualitätsindikatoren entwickelt.

Qualitätsindikatoren der QS-Dokumentation: zu 9 der 15 Indikatoren werden Daten in der Praxis erhoben.

Qualitätsaspekt Qualitätsindikator
Diagnostik 1. Umfassende/s diagnostische/s Gespräch/e mit Erfassung der behandlungsrelevanten Dimensionen
2. Patientenindividuelle Anwendung und Auswertung von standardisierten diagnostischen Instrumenten
Therapiezielvereinbarung 3. Formulierung von patientenindividuellen Therapiezielen
Erfassung und Besprechung des Therapiefortschritts im Verlauf 4. Patientenindividuelle Anwendung und Auswertung von standardisierten Instrumenten im Therapieverlauf
5. Reflexion des Therapieverlaufs
Kooperation 6. Patientenindividuelle Absprachen und Kommunikation mit an der Behandlung Beteiligten
Vorbereitung und Gestaltung des Therapieendes 7. Reflexion des Therapieverlaufs hinsichtlich der Einleitung der Abschlussphase der Therapie
8. Abklärung der Erforderlichkeit von anschließenden therapeutischen Maßnahmen und/oder Maßnahmen zur Absicherung des Behandlungsergebnisses
Outcome 9. Erhebung des Behandlungsergebnisses am Ende der Therapie

Zu jedem Indikator gibt es Fragen, die für jede Behandlung zu beantworten sind (= fallbezogene QS-Dokumentation).
(Einrichtungsbezogene QS-Dokumentation wären Fragen zum allgemeinen Vorgehen in der Praxis, z.B.: Setzen Sie in Ihrer Praxis für die Diagnostik standardisierte Instrumente ein?)
Insgesamt sind es 66 Fragen bzw. Datenfelder, in die 1 (Ja) oder 0 (Nein) eingetragen wird.

Qualitätsindikatoren der Patientenbefragung: zu 13 der 15 Qualitätsindikatoren werden die Patientinnen befragt, u.a.:

  • Information und Aufklärung zu Therapieverfahren, Behandlungsoptionen, Diagnose, aktueller Therapie, Rahmenbedingungen
  • Gemeinsame Behandlungsplanung
  • Kommunikation und Interaktion
  • Outcome

Da die Patientenbefragung noch nicht bekannt ist, fehlen zu 13 der 15 Indikatoren bisher noch wesentliche Informationen.

Umsetzung des QS-Verfahrens

Für die QS-Dokumentation wird es eine Software geben (angestrebt: integriert ins Abrechnungsprogramm). Die Dokumentation soll automatisch starten, sobald die erste Ziffer einer Richtlinienpsychotherapie ins Abrechnungsprogramm eingegeben wird: der Dokumentations-Bogen öffnet sich und kann bearbeitet werden. Die Dokumentation wird dann kontinuierlich im Verlauf der Therapie weiter ausgefüllt. (nicht die Behandlungsdokumentation, sondern die QS-Dokumentation !)
Wenn am Ende einer Therapie die entsprechende Ziffer 88130/1 eingegeben wird, ist die QS-Dokumentation abgeschlossen. Sie wird zur „Datenannahmestelle“ (KV) geschickt, von dort pseudonomisiert zur Auswertung ans IQTIG weitergeleitet.
Gleichzeitig startet die Patientenbefragung: Der jeweiligen Patientin wird ein Fragebogen zu ihrer beendeten Psychotherapie geschickt, den das IQTIG dann ebenfalls auswertet.

Wenn das QS-Verfahren 2025 startet, beginnen also die Psychotherapeutinnen mit der QS-Dokumentation für diejenigen Patientinnen, die neu in Behandlung kommen.
Vorgesehen ist, dass dann alle 2 Jahre ein bundesweiter Auswertungs- und Beurteilungsdurchlauf durchgeführt wird, für die Behandlungen, die in den letzten 2 Jahren abgeschlossen wurden.

Auf Landesebene werden Fachkommissionen eingerichtet, in denen u.a. Vertreter der Psychotherapeuten und Krankenkassen sitzen.
Die Fachkommission beurteilt die Auswertungsergebnisse: Wenn es rechnerische Auffälligkeiten gibt (Unterschreiten des Referenzwertes), klärt sie, ob es sich um eine qualitative Auffälligkeit handelt. In diesem Zusammenhang wird die betroffene Psychotherapeutin zur Stellungnahme aufgefordert. (s. „Strukturierter Dialog“)
Wenn die Fachkommission einen Qualitätsmangel feststellt, entscheidet sie über geeignet erscheinende Verbesserungsmaßnahmen:
– fördernde Maßnahmen: Beratung, Zielvereinbarung, Fortbildung, weitere Beobachtung, …
– bis hin zu Sanktionen bei „Unbelehrbarkeit“: Honorarabzug, Entzug der Abrechnungsgenehmigung
Einblick in Behandlungsdokumentationen kann gefordert werden, um die Validität der QS-Dokumentation zu überprüfen: Sind die Behandlungsschritte tatsächlich durchgeführt und dokumentiert worden, die in der QS-Dokumentation angegeben wurden?

Ein Fernziel (neben der Qualitätsverbesserung) ist Transparenz/Vergleichbarkeit für Patientinnen: Die Auswertungsergebnisse sollen für jeden Leistungserbringer veröffentlicht werden, Patienten können sich im Internet informieren, welche Psychotherapeuten die Indikatoren zu wieviel Prozent erfüllt haben.
s. Veröffentlichung der Klinik-QS-Daten, z.B. im VdEK Kliniklotsen::
https://www.vdek-kliniklotse.de/Staedtisches-Krankenhaus-in-42653-Solingen/qualitaetsindikatoren
/
krankenhaus/26051087100

In jedem Bundesland gibt es Landesarbeitsgemeinschaften und Lenkungsgremien, die für die Durchführung verantwortlich sind, die Fachkommissionen übernehmen die fachliche Beurteilung der Auswertungen.
Das IQTIG veröffentlicht einen jährlichen Qualitätsreport, in dem die Ergebnisse dieser Verfahren dargestellt werden.
Der weitere Umgang damit wird z.B. hier beschrieben: IQTIG ist den Wundinfektionen auf der Spur (Ärztezeitung 22.12.20)

In den Kliniken sind solche QS-Verfahren schon länger eingeführt, und werden in ihren Auswirkungen diskutiert, s. z.B.:
Klinikqualität – Was will der Gesetzgeber wirklich messen?  vom 7.12.2016
Klinikreform nimmt Fahrt auf  1.6.2016

 

Beatrice Piechotta - Rosmarinstr. 12 L  - 40235 Düsseldorf  -  eMail: kontakt@qs-psychotherapie.de